Samstag, 28. April 2007

Online-Sein oder nicht Sein

Immer wieder interessant, auf welche Weise manche Menschen einen Dienstleister suchen – und offensichtlich dabei völlig anders vorgehen als ich.

Immer wieder mal erhalte ich Anfragen für Aufträge, die ich selbst nicht übernehmen möchte, weil sie einfach jenseits meiner Wissensgebiete liegen. Für diese Zwecke hat der Freiberufler von heute ja aber meist eine Handvoll Kollegen, die man guten Gewissens empfehlen kann.

„Er/Sie hat auch eine Website. Die Seite lautet ..." und versickert im Sande, denn der Anrufer hat schon fröhlich unterbrochen: "Nicht nötig, ist auch ziemlich eilig. Ich rufe da einfach mal an“.

Ganz ehrlich: Auch, oder gerade wenn eine Angelegenheit eilig ist, nutze ich grundsätzlich die Möglichkeit, mir vorher kurz ein Bild von jenem Menschen zu machen.

- Wie „tickt“ er oder sie?
- Spricht er „meine Sprache“?
- Hat er fachliche Schwerpunkte?

Es dürfte wenig Sinn machen, wegen einer Erbrechts-angelegenheit einen Anwalt zu konsultieren,
der laut eigener Aussage auf Verkehrsdelikte, Kunst
und neue Medien spezialisiert ist.
- Was ist ihm selbst wichtig im Zusammenhang mit seiner Arbeit?
- Gibt es vielleicht Tipps / Überlegungen, die wichtig sind vor der ersten Kontaktaufnahme?
- Und nicht zuletzt: Erwähnt er zur Orientierung einen ungefähren Honorarrahmen? Ich bin die letzte, die nicht bereit wäre, gute Arbeit adequat zu entlohnen, aber auch ich nehme mir gelegentlich die Freiheit, zu sagen: Ich kann oder will mir Ihre Dienste nicht leisten – jetzt nicht, oder generell nicht. Und wenn mir das vorher schon klar ist, erspare ich mir den Anruf – und 10 Minuten Smalltalk, denen dann 30 Sekunden betretenes Schweigen folgt.

Und aus eben diesen Gründen bin ich, im Gegensatz zu manch anderen Zeitgenossen, der Meinung, dass eine schlechte – Verzeihung – „verbesserungsfähige“ Website immer noch besser ist, als gar keine. Auch wenn sie, unter Online-Marketing-Aspekten und hinsichtlisch Suchmaschinen, ungefähr den gleichen Zweck erfüllt wie ein Auto, das nie gefahren wird und die ganze Zeit über einfach vor dem Haus steht, und dort auch gut steht ... denn es könnte ja mal jemand wissen wollen, ob man eines hat.

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